Sich einlassen und loslassen

Sich auf das Leben in seiner ganzen Fülle, in seinen Höhen und Tie­fen einzulassen, bedeutet auch Loslassen des Alten, Vergangenen, Unwiederbringlichen. Es ist wie Einatmen und Ausatmen: Um neue Lebensmöglichkeiten zu erfahren, muss man Altes loslassen können. In Lebenssituationen, wo Trennung und Trauer vorherrschen, ist das besonders schwierig, aber auch besonders wichtig, will man nicht in Traurigkeiten erstarren und letztlich krank werden. Das Loslassen wird einfacher, leichter, wenn das Einlassen in die neue Lebens­situation möglich wird, wenn die Chancen gesehen werden können, wenn der Blick nicht mehr nur auf die Vergangenheit und auf den Verlust gerichtet bleibt. Trauer muss gelebt, Abschiede müssen ge­nommen werden, so schmerzlich es ist. Ob es um die Liebe zum Part­ner, zu den Eltern und Kindern oder um lieb gewonnene Situationen geht: Verena Kast hat sich immer wieder mit diesen menschlichen Er­eignissen und Erfahrungen beschäftigt. Hier sind ihre wesentlichen Aussagen zu Trennung und Trauer zusammengefasst, zu Abschied­nehmen und Neubeginn. Sich einzulassen auf das Leben, eine neue Lebensleidenschaft zu entwickeln, das sind Perspektiven, die das Le­ben auch im Loslassen reicher machen.

Die Autorin
Verena Kast, Psychotherapeutin, Dozentin, Lehranalytikerin am C.G.-Jung-Institut Zürich, Professorin, Vorsitzende der Internationalen Gesellschaft für Tiefenpsychologie.